Der Kleinheitswahn
«Der Kleinheitswahn ist die Kehrseite der Narzissmus-Medaille»
Diesen Satz gab mir eine geschätzte Mentorin vor vielen Jahren mit auf den Weg. Und er lässt mich bis heute nicht ganz los.
27.10.2026
«Der Kleinheitswahn ist die Kehrseite der Narzissmus-Medaille»
Diesen Satz gab mir eine geschätzte Mentorin vor vielen Jahren mit auf den Weg. Und er lässt mich bis heute nicht ganz los.
26.10.2026
Wie aus einem unscheinbaren Fundstück ein Gedicht entstehen kann.
Kürzlich ging es in den «Zwischentönen» um unverhoffte Fundstücke in Mantel- und Jackentaschen. Dinge, die irgendwann eingesteckt und längst vergessen wurden.
21.10.2026
Ist es so klar?
Eine poetische Resonanz auf Rainer Maria Rilke.
19.10.2026
Wenn Fachkräfte die Lücken des Systems bezahlen.
In meiner Zeit als delegiert arbeitende Psychologin gab es Tage, da standen zehn Konsultationen im Kalender. Und manchmal schlich sich am Morgen ein verbotener Gedanke ein: «Wenn heute jemand absagt, habe ich endlich 50 Minuten zum Durchatmen.»
12.10.2026
Wenn Strukturen in der Konsolidierungsphase schleichend zum Massstab werden
Eine Frau sucht einen Wohnplatz. Im Aufnahmegespräch geht es zunächst um das Wesentliche: Was braucht sie? Welche Unterstützung ist nötig? Doch nach wenigen Minuten schleicht sich ein anderer Fokus ein.
06.10.2026
Vom Funkenflug zur festen Form: Wie ein Rondell den Kopf sortiert und das Herbstlicht rettet.
Auf der linken Seite des Notizbuchs drängen die Steuererklärung und offene Rechnungen, auf der rechten leuchten Quittenbaum und Herbstsonne. Dazwischen: eine Schreibwerkstatt. Ein kleiner Werkstattbericht darüber, wie aus einer strengen Gedichtform ein innerer Haltepunkt wird, wenn der Alltag laut wird.
05.10.2026
Wenn strukturelle Fragen die Fallsupervision kapern
Die Supervision hat gerade begonnen. Es geht um eine anspruchsvolle Fallbesprechung: Eine komplexe Klientensituation, in der das Team an Grenzen stösst und nach tragfähigen Handlungsmöglichkeiten sucht. Doch nach zehn Minuten kippt das Gespräch.
17.09.2026
Von einem, der seine Träume nicht sehen konnte
Er stand da, der kleine Bahnhof. Verlassen wie ein abgewetzter Lederschuh. Der Zahn der Zeit nagte unaufhaltsam, die Fassade bröckelte da und dort. Die grün bemalten Laternenpfähle blätterten ab und die Bahnhofsuhr zeigte immer die gleiche Zeit an. Die meisten Menschen eilten vorbei, ohne von dem alten Gebäude Notiz zu nehmen.
08.09.2026
Wenn Auftrag, Beziehung, Verantwortung und Grenze nicht in dieselbe Richtung ziehen
Wer Menschen berät, betreut oder begleitet, wird früher oder später mit der Frage konfrontiert: Was gehört noch zum
Auftrag – und wo beginnt persönliches Engagement, weil etwas gerade sinnvoll und hilfreich erscheint?
03.09.2026
Über Symbole, Träume und die Frage, wie Bedeutung entsteht.
Manchmal kommen die Leute zu mir und erzählen mir ihre Träume. Gerne möchten sie dann von mir hören,
was es bedeutet, wenn sie von Drachen träumen oder im Traum ständig zu spät kommen.
16.08.2026
Eine Kindheitserinnerung aus dem Emmental
Der Duft meiner Kindheit war Silage im Herbst.
Gerüche lassen sich schlecht festhalten.
Man kann sie kaum beschreiben – und erkennt sie doch sofort wieder.
13.08.2026
Der Krieg war vorbei, sagten sie. Doch mein Krieg hatte noch kein Ende.
Ich bin ein kriegsversehrter Krüppel. Gerade noch gut genug, um die Leute zu zählen,
die über die Brücke gehen.
08.08.2026
Vom Zauber des Anfangens
und von diesem einen Satz, der noch fehlt.
30.07.2026
Kürzlich dachte ich an einen Supervisor zurück, den ich sehr schätzte.
Wenn wir ihm einen Fall schilderten, sass er da und hörte zu. Von einer anderthalbstündigen Supervision konnte gut eine Stunde vergehen, in der wir erzählten, was wir wahrnahmen, wie wir die Situation einschätzten und welche Fragen uns beschäftigten. Fast wirkte es, als hätte er unendlich viel Zeit.
14.07.2026
Eine Beobachtung über Bergdörfer, Fotografen und das Prinzip der Risikoteilung.
Eine Freundin von mir war vor vielen Jahren Pfarrerin in einem Bergdorf. Sie ist ein Paradiesvogel.
Ich hätte erwartet, dass sie es dort schwer haben würde. Stattdessen schien sie im Dorf
selbstverständlicher dazuzugehören als später in der Grossstadt.
06.07.2026
Wörter lassen sich sammeln wie Pflanzen.
Nicht alle Wörter wollen sofort einen Satz werden.
02.07.2026
Warum Methoden allein nicht genügen.
In unserer Welt werden Techniken vermittelt.
Methoden. Modelle. Werkzeuge.
29.06.2026
Ein Werkstatttext
Entstanden in einer offenen Wortwerkstatt nach einem Textimpuls von Gabriele von Arnim. Von Arnim beschreibt in
ihrem Buch* das Leben als Leinwand. Eine Leinwand allerdings, die längst nicht mehr weiss ist. Sie ist bemalt –
von Eltern, Geschwistern, Erinnerungen, Erfahrungen, Entscheidungen und all den Farben, die das Leben mit sich bringt.
Daraus entstand ein Schreibexperiment:
25.06.2026
Was geschieht, wenn Resonanz keine Gegenseitigkeit mehr verlangt?
Kürzlich diskutierte ich mit einem jungen Mann über KI. Er fragt die KI öfters Dinge, die ihn beschäftigen.
Wir sprachen darüber, wie schnell man vergisst, dass KI kein Mensch ist, sondern eine Maschine,
die aus eingegebenen Worten in Sekundenschnelle Anschlüsse und Zusammenhänge sucht – und findet.
10.06.2026
Über Entwicklung, Geduld und das Vertrauen in langsame Prozesse
Das (afrikanische?) Sprichwort "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht" kommt
mir in meiner Arbeit immer wieder in den Sinn. Viele Menschen kommen in die Beratung
oder in Supervisionen nicht nur mit einem Problem, sondern mit einem zweiten,
versteckten Problem.
04.06.2026
Warum ich Beziehung als Bedingung von Entwicklung verstehe.
In Beratung, Supervision und kulturellen Reflexionsräumen geht es oft um Themen, Probleme
oder Konflikte. Mich interessiert etwas Grundsätzlicheres: die Bedingungen, unter denen
Verstehen, Entwicklung und Begegnung überhaupt möglich werden.
21.05.2026
Zwischen Selbstoptimierung und Kultur
In meiner Beratungstätigkeit begegnet mir immer wieder dieselbe Frage:
Warum geht es heute so vielen Menschen psychisch so schlecht?
Haben wir tatsächlich mehr Krankheiten als früher?
13.05.2026
Ein Zwischenruf über Führung, Wahrnehmung und das Unsichtbare in Organisationen.
Viele sprechen von Führung und meinen damit: erklären, steuern, entscheiden.
Ich erlebe oft etwas anderes.
10.05.2026
Zwischen Erinnerung, Gemüsehallen und der Frage, wie Zeit vergeht.
Manche Gerüche tragen ganze Räume in sich. Ein Blick auf violette Tomatenschachteln —
und plötzlich ist sie wieder da: die Halle, das Fliessband, die gedehnte Zeit jener Monate.
Nie vergesse ich die freudige Aufregung in der Halle der Gemüseabpackerei, wenn der Chauffeur
02.05.2026
Zwischen Impuls und Handlung liegt ein schmaler Raum –
und oft entscheidet sich genau dort, was möglich wird.
Man sieht den Wal in der Ostsee.
Helfen und Retten. Handeln.🐋
27.04.2026
Zwischen Bewegung und Form
Am Bild entlang geschrieben.
06.04.2026
Begegnung jenseits von Sprache
Ich bin auf ein Lied gestossen, dessen Sprache ich nicht spreche.
und doch war etwas sofort da:
02.04.2026
Eine Kindheitserinnerung zwischen Wald, Spurensuche und der Frage, was wirklich ist
Mein Vater hatte ein besonderes Netzwerk.
Er besass die Telefonnummer vom Osterhasen. Zumindest behauptete er das.
Er stand am Fenster, den Hörer am Ohr, und nickte,
25.03.2026
Warum eine echte Fehlerkultur mehr braucht als nur das schnelle Reparieren.
Wenn Systeme ins Stocken geraten, suchen wir meist sofort nach der schnellen Lösung.
Ein Text über die Kunst, den Zwischenraum zu halten, wenn der Mensch im Getriebe knarzt
20.03.2026
Ist das Nötigste gesichert, beginnt Gestaltung.
Kürzlich habe ich in eine Survival-Sendung gezappt – 7 vs. Wild – und bin hängen geblieben.
Was tun Menschen, wenn sie nichts haben ausser sich selbst?
15.03.2026
Manchmal genügt eine Flasche unter einem alten Baum.
Manche Dinge werden nicht laut festgehalten.
08.03.2026
Der Raum zwischen Reiz und Reaktion ist kein idyllischer Ort.
Er ist herausfordernd.
Warum der Zwischenraum oft der anspruchsvollste Teil unseres Handelns ist.
24.02.2026
Wir sind stolz auf unsere Bildung.
Was wir messen können, gilt als Qualität.
Doch nicht alles, was zählt, lässt sich messen.
16.02.2026
Jede Zeit hat ihre eigene Art, über sich selbst zu sprechen.
Vom Denken zum Spüren - über Autor:innen, Generationen und die Sprache des Selbst.
Eine Geschichte des Ichs.
07.02.2026
Über den Verlust gemeinsamer Rituale
Nach den Festtagen ist vor den Festtagen.
Feste rhythmisieren unser Jahr und markieren Übergänge.
28.01.2026
Ein vertrauter Zustand
Manchmal wird viel besprochen, sorgsam abgewogen und entschieden –
und dennoch bleibt ein Gefühl von Unklarheit zurück. Wer kennt sie nicht, diese Momente
27.12.2025
Jahreswechsel
Ein Gedicht über Frost, Übergang und den leisen Kern, der im Dunkel bewahrt bleibt.
26.12.2025
Was bleibt vom Zopf, wenn man ohne Waage bäckt?
Ein Morgen voller Hefeduft, Erinnerungen – und die Freiheit, nach Gefühl zu arbeiten.
Ein Zopf, der nicht nach Rezept, sondern nach Erinnerung entsteht – zwischen Kindheit,
Küche und der Kunst, dem Teig zu vertrauen.
23.11.2025
Was das Marshmallow-Experiment mit dem Adventskalender zu tun hat -
und warum Handys da eine Rolle spielen
Was bleibt vom Warten – jenseits von Ungeduld, Routine und dem schnellen Griff zum Handy?
15.11.2025
Datenschutz ja – aber da war doch noch was?
Eine Frage, die mich beschäftigt: Was gebe ich der KI preis von mir?
08.11.2025
Wenn Kleinigkeiten gross werden
«… und dann hat er – oder sie – den Geschirrspüler wieder falsch eingeräumt.
Dabei sagte ich schon hundertmal, dass die Gläser nicht sauber werden,
wenn unten auch noch die Pfannen stehen.» Und schon war der nächste Streit im Gang.
02.11.2025
Bücherfunde 2025
Ich greife selten nach Büchern, weil sie gerade im Gespräch sind.
Die meisten finden mich eher zufällig – in Antiquariaten oder dank Empfehlungen bibliophiler
Menschen. Mich interessiert, aus welchem Blick Bücher auf die Welt schauen:
der Ton, die Haltung, die Stimme.
Eine kleine Auswahl:
18.10.2025
Wer Märchen liest, betritt keinen fiktiven Raum, sondern einen inneren.
Viele Erwachsene halten Märchen für Kindergeschichten. Doch sie sind viel mehr. Märchen sind die
älteste Sprache, in der Menschen über sich selbst gesprochen haben – in Bildern und Symbolen.
Zwischen Königstöchtern und Dornenhecken verbergen sich die Landschaften unserer eigenen Seele.
04.10.2025
Manchmal entstehen Texte nicht auf dem leeren Blatt, sondern aus dem, was schon da ist.
Kürzlich haben wir etwas ausprobiert:
12.09.2025
Zwei Fassungen des selben Gedichts.
Fast dieselben Worte – und doch ein ganz anderer Ausgang.
Manchmal kippt die Wahrnehmung nur um eine Nuance –
und plötzlich erzählt der Text eine andere Geschichte.
31.08.2025
Ode an die weitgreifende Freiheit
Ein Echo auf Hilarion Petzolds Text über den „inneren Ort persönlicher Souveränität“.
Ein Text, in dem sich Ärger, Wertschätzung und die Frage nach innerer Souveränität verschränken.
16.08.2025
Wenn Heldinnen nach Vorschrift kämpfen
Vom Sternchen, Märchenfiguren und dem Atem der Sprache
Sprache braucht Freiheit – und Märchen ebenso. Was passiert, wenn Regeln bestimmen sollen,
wie wir erzählen oder schreiben?
Über Gendersternchen, Heldinnen aus dem Baukasten und die Lebendigkeit von Geschichten.
07.08.2025
Zwischen Push und Pause
Warum uns Pausen besser tun als Push-Nachrichten.