Wenn Sicherheit mit Qualität verwechselt wird

Veröffentlicht am 24. Februar 2026 um 23:01

Was wir messen können, gilt als Qualität. Doch nicht alles, was zählt, lässt sich messen.

 

Wir sind stolz auf unsere Bildung. Rankings, Berufsbildung und internationale Vergleichsstudien vermitteln den Eindruck eines gut geordneten Systems. Das beruhigt – nicht zuletzt, weil Bildung ein öffentliches Gut ist und daher verlässlich, überprüfbar und gerecht organisiert sein soll. Messbare Kriterien schaffen Orientierung.

Doch was, wenn wir Sicherheit zunehmend mit Qualität verwechseln?

 

In der Logik vieler Bewertungssysteme gilt als Qualität, was sich eindeutig erfassen und vergleichen lässt. Was nicht ins Raster passt, verliert an Sichtbarkeit. Messbarkeit verspricht Transparenz und Fairness. Problematisch wird sie dort, wo Normierung zum alleinigen Massstab wird – und damit stillschweigend definiert, was als gelungen gilt.

 

Eigenständiges Denken, das quer liegt, irritiert in solchen Systemen schnell. Wo Zusammenhänge anders geordnet oder gängige Annahmen infrage gestellt werden, geraten vorgegebene Raster an ihre Grenzen. Reproduktion wird belohnt, Abweichung misstrauisch betrachtet. So verschiebt sich unmerklich, was unter Qualität verstanden wird.

 

Eine direkte Demokratie jedoch lebt nicht allein von korrekt Ausgebildeten. Sie ist darauf angewiesen, dass Bürgerinnen und Bürger Unsicherheit aushalten, Argumente prüfen, Mehrdeutigkeiten erkennen und Verantwortung übernehmen – gerade dort, wo keine einfachen Antworten bereitliegen. Urteilskraft entsteht nicht allein durch sichere Strukturen, sondern durch Räume, in denen Denken nicht vorgegeben ist.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, wie effizient Bildung organisiert ist. Sondern welche Formen des Denkens sie fördert – und welche sie, selbst unbeabsichtigt, an den Rand drängt.

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