Nicht alle Wörter wollen sofort einen Satz werden.
Wörter lassen sich sammeln wie Pflanzen.
Armutszeugnis, Albtraum, After
Gesammelt, notiert und angeschrieben,
Busen, Balsam, Birke, betörend,
schön abgelegt in Karteikarten und Notizheftern
Chamäleon, Chimäre, Chuchichäschtli
warten sie auf ihren Satz.
Durchzug, damals, Dampflok, dreiundsiebzig
Manchmal jahrelang
Elfe, einzigartig, etikettiert, erinnert
liegen sie in Gläsern, eingelegt in Spiritus,
Formidabel, felsenfest, fröstelnd
verstaubt und vergessen in einer Schachtel oder einem Buch,
Gallertig, glückselig, gülden
hinten im Regal
Hanebüchen, hadern, Hades, hasten
und erst beim nächsten Umzug
Irren, irgendwo, irisierend
fallen sie einem wieder in die Hände.
Johannisbeere, jedermann, jahrein
«Ach ja, da wollt ich doch, da könnt ich doch…»
Krautig, Kleinod, knauserig, Kuddelmuddel
Vielleicht ist das ihre Berufung,
Lausig, lieblich, Lampion
eine kurze Inspiration.
Mondsichel, Mandarine, Mut, Murmel, Mittagsschlaf
Ein Aufblitzen von Bildern,
Nadelöhr, neblig, Niemandsland
um dann wieder in den Tiefen zu verschwinden.
Orbit, olfaktorisch, Osmose, organisch
Das könnte auch gut genug sein.
Pelargonie, pastös, prähistorisch
Ein Museum, dessen Aufgabe es ist, da zu sein.
Quantum, Querbeet, Quatsch, Quelle
Für dann, wenn man nie weiss.
Reagenzglas, rasend, Rüppel,
Die pure Existenz ist Sinn genug,
Seele, schlummern, sorgen, Sehnsucht
eine Liebe ohne Anspruch.
Trampeltier, Tattergreis, Tannengrün
Behutsam gepresst zwischen Papier und Zeit.
Urtümlich, Ungestüm, Ursuppe
Manche Wörter blühen erst Jahre später
Vogelfrei, verloren, verwegen, vergilbt
und nicht alles, was keinen Satz findet, ist verloren.
Wattebausch, Wanderer, Weltenmeere
Manche Wörter wohnen lieber in der Möglichkeit als in der Wirklichkeit.
Xylophon
Vielleicht sind sie gerade deswegen so schön, weil sie kaum jemand braucht.
Yeti
Kostbare Preziosen.
Zart, Zobel, Zimt, Zitrone, zappelig
Aufbewahrt.
Man weiss ja nie.
Kommentar hinzufügen
Kommentare