Manchmal genügt eine einzige Frage.
Ein Werkstatttext
Entstanden in einer offenen Wortwerkstatt nach einem Textimpuls von Gabriele von Arnim.
Von Arnim beschreibt in ihrem Buch* das Leben als Leinwand. Eine Leinwand allerdings, die längst nicht mehr weiss ist.
Sie ist bemalt – von Eltern, Geschwistern, Erinnerungen, Erfahrungen, Entscheidungen und all den Farben, die das Leben mit sich bringt.
Daraus entstand ein Schreibexperiment:
Wie sieht Deine Leinwand aus?
Es geht nicht darum, literarisch zu schreiben. Es geht darum, Worte zu finden und ihnen einen Platz zu geben.
Manchmal tropft es aus dem Schreiber, manchmal ist es zäh. Beides ist in Ordnung.
Erstaunlich oft beginnen Menschen nicht bei den Farben, sondern bei den Spuren.
Sie entdecken Übermaltes, freie Stellen, Risse, kräftige Pinselstriche oder zarte Aquarelle.
Manche erzählen von Menschen. Andere von Orten. Wieder andere merken plötzlich,
dass auch Wörter Teil ihrer Lebenslandschaft geworden sind.
Die Leinwand
Eine weisse Leinwand ist es schon lange nicht mehr. Bevölkert von Menschen, Orten, Wörtern und Farben. Manchmal zart, durchscheinend, an einigen Stellen dick übermalt, mehrmals, solange bis die Leinwand aufriss. Abgekratzt. Drüber gemalt.
Doch nochmals ein dunkles Preussischblau, beim nächsten Mal wird es vielleicht wieder heller. Der Rahmen ist bald zu klein. Manchmal läuft die Farbe über den Rand, tropft hinunter auf den holzigen Fussboden und hinterlässt fleckige Spuren. Die leeren Stellen werden weniger. Die bemalten wachsen weiter.
Langsam gleichen sich die hellen und die dunklen Orte an. Die Pastösen - und die Aquarellierten. Das ist gut so.
Leinwand bunt bemalt
ein satt gelebtes Leben
heute Sonnengelb
So kann eine Schreibaufgabe den Blick öffnen → offene Wortwerkstatt
*Buch: Von Arnim, G. (2026). Abschied leben. Tagebuch eiens Zeitgefühls. ISBN 978-3-498-00776-8
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