Eine Kindheitserinnerung zwischen Wald, Spurensuche und der Frage, was wirklich ist
Mein Vater hatte ein besonderes Netzwerk.
Er besass die Telefonnummer vom Osterhasen.
Zumindest behauptete er das. Er stand am Fenster, den Hörer am Ohr, und nickte, während der Hase ihm erklärte, wo er gerade die Eier versteckte.
„Aha. Ja… und dann links… Wir kommen.“
Dann fuhren wir los.
Irgendwohin, wo es noch ein wenig wild war. Die ersten Schlüsselblumen am Weg, dieses vorsichtige Gelb, das auf den feuchten Wiesen blinzelte. Wir stapften zwischen Tannen, tanzten über grosse Baumstämme und durch das Dickicht und suchten den Hasen.
Er war wohl schon hier gewesen. Überall hinterliess er seine Spuren: ein buntes Ei im Gras, ein Zuckerhäschen hinter einer Tanne, ein silbriges Papier, das im Licht aufblitzte.
Einmal habe ich ihn sogar von weitem gesehen, aufrecht, mit einer Trage auf dem Rücken, wie er über das Feld lief.
Meine Eltern sagten, das könne nicht sein.
Doch ich sehe das Bild noch heute vor meinem inneren Auge. Vielleicht stimmt beides.
Vielleicht gibt es Dinge, die man sieht, auch wenn sie nicht sein können.
Schöne Ostern!
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