Wie aus einem unscheinbaren Fundstück ein Gedicht entstehen kann.
Kürzlich ging es in den «Zwischentönen» um unverhoffte Fundstücke in Mantel- und Jackentaschen. Dinge, die irgendwann eingesteckt und längst vergessen wurden.
In der offenen Wortwerkstatt haben wir die Idee aufgegriffen. Wer nichts Passendes in seinen Taschen fand, konnte in einer kleinen Spanschachtel stöbern, gefüllt mit allerlei Fundstücken. Zuerst durfte alles angefasst, gedreht und betrachtet werden. Dann wählte jede und jeder aus, was Gedanken und Bilder in Bewegung brachte.»
Darunter ein Stückchen Schafwolle, 2015 an einem Weidezaun in Schottland aufgelesen. Rau, unscheinbar, voller Erinnerungen. Es entstand zunächst ein kleiner Text. Dann ging es ans Verdichten: Wörter streichen, Bilder herauslösen, Zeilen verschieben. Was bleibt, wenn nur das Wesentliche stehen darf?
Übrig blieb ein Fünfzeiler:
Rauhe Wolle im Wind
Zwischen Bäumen und Wiesen
sucht sich der Bach seinen Weg
wie vorbeiziehende Erinnerungen
Rauhe Wolle im Wind.
Manchmal braucht es erstaunlich wenig, damit sich ein ganzer Erinnerungsraum öffnet. Ein Gegenstand, ein paar Gedanken, ein erster Text – und schliesslich ein Gedicht.
So kann ⟶ Wortwerkstatt aussehen.
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