Über Symbole, Träume und die Frage, wie Bedeutung entsteht.
Manchmal kommen die Leute zu mir und erzählen mir ihre Träume. Gerne möchten sie dann von mir hören,
was es bedeutet, wenn sie von Drachen träumen oder im Traum ständig zu spät kommen.
Doch da enttäusche ich die meisten ein wenig. Es ist nicht an mir, ihnen ihre Bedeutungen auszudeuten. Ich kann das nicht.
Und darüber bin ich sogar froh.
Wo kämen wir hin, wenn andere uns erklärten, wie wir die Welt zu sehen haben? Das wäre ja entsetzlich. Wer würde das wollen?
Bleiben wir doch bei dem Bild, dass sich uns zeigt. Die Gleichung «Rot bedeutet x und im Traum bedeutet das y"
ist nicht besonders zielführend. Rot kann im einen Moment eine Signalfarbe sein, die uns alarmiert. Manchmal ist sie einfach
eine warme Farbe, die uns aktiv und lebendig fühlen lässt. Für einige von uns die schönste, für andere die hässlichste Farbe.
Je nach Kontext, Erfahrungen und persönlichen Vorlieben. Und das Rot gibt es ja ohnehin nicht.
Was heisst das nun für die Traumdeuter und Symbolentzifferer?
Versuchen wir doch, in den Spiegel zu schauen, um zu sehen, was uns darin begegnet. Denn weder ein Symbol, noch ein Traum
oder ein Märchen verlangen nach der einzigen und richtigen Interpretation. Sie verlangen nach einer Antwort. Es geht nicht darum,
was es bedeutet, sondern wie wir darauf antworten.
Ich schlage vor zu fragen, beim Bild zu bleiben und zu fragen: Was zeigt sich mir darin?
Was fällt mir auf?
Wo zieht es mich hin? Oder stösst mich ab?
Was überrascht mich?
Welche Figur beschäftigt mich?
Wo entsteht Resonanz?
Und erst daraus entwickelt sich Verstehen. Nicht umgekehrt.
Ein Symbol will nicht entschlüsselt werden. Es will in Beziehung treten.
Und in dieser Beziehung entsteht Bedeutung.
Was geschieht, wenn wir einem Märchen begegnen, statt es zu deuten?
→ zum Märchenworkshop
Kommentar hinzufügen
Kommentare